Darf ich Gott hassen?

Reden wir nicht um den heißen Brei herum: Es gibt Leid in der Welt und es ist nur schwer erträglich, dass es dies trotz eines allmächtigen Gottes geben könnte. Gerade wenn man bedenkt, dass jemand, der die Meere geteilt und Himmel und Erde erschaffen hat, wohl mit Leichtigkeit Leid entfernen könnte. Grund genug, um die Frage zu klären: Darf ich Gott hassen?

Kurz gesagt: Ja. Absolut. Wenn sich der Druck in Dir aufbaut und Du Dich allein gelassen oder betrogen fühlst, dann ist es nur normal Wut und Hass zu haben; auch gegen Gott. Vor zwei Wochen habe ich die Frage beantwortet, ob man Gott gutes tun muss. Eine wichtige Sache war dabei: Gottes Gnade ist unabhängig von Deinen Taten und damit auch unabhängig von Deinem Hass.

Zweifel & Glauben

Meiner Meinung liegt der Fokus viel zu oft beim Glauben. Dieser wird als schön und erstrebenswert angesehen. Wer glaubt, dem stehen Gottes Tore weit offen. (Kleine Spoiler: Tun sie auch ohne Glauben allein aus Gnade) Dabei wird immer wieder vergessen, dass Zweifel und Glauben zwei Gesichter derselben Medaille ist. Erst bringt mich, durch die Anfragen an meinen Glauben, überhaupt in die Situation, dass ich mich meiner Beziehung zu Gott immer wieder neu stellen muss. Ohne Zweifel ist der Glaube nur eine Luftblase.

Der Zweifel ist genauso alt wie der Glaube. Die Bibel ist voll von Geschichten, die vom Zweifeln an Gott erzählen. In den Psalmen wird Gott angeklagt und auch Jesus zitiert mit Psalm 22 “Mein Gott, mein Gott warum hast Du mich verlassen” einen davon am Kreuz. Dutzende Jünger wollten Jesus verschiedene Dinge nicht glauben.

Es ist okay zu hassen. Tu es. Doch Hass ist eben auch immer ein bisschen Destruktiv. Das braucht es, um altes abzureißen, aber gib Dir dann auch Zeit neues aufzubauen.

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