Muss ich Gott gutes tun?

Wer hat es noch nicht gemacht: Ein kleines Stoßgebet zu Gott, sie möge doch jenes richten und dafür würde man Folgendes ändern. Martin Luther brachte so ein Gebet ins Kloster und zum Mönchtum. Grund genug mal genauer darauf schauen, ob Gott überhaupt Gutes braucht, um für Dich gut zu sein.

Ein Gewitter bringt Gnade

Erstaunlicherweise ist die Antwort auf die Frage, ob man Gott gutes tun muss, eng geknüpft mit der Einlösung eines Versprechens Gott gegenüber. Im Jahr 1505 kam ein junger Jurastudent in ein schweres Gewitter und gelobte, dass er Mönch werden würde, wenn er dieses Gewitter überlebt. Er überlebte und beeinflusste mit seinem Denken in den folgenden Jahren maßgeblich die Theologie. Die Rede ist von Martin Luther.

Das Herzstück der lutherischen Theologie ist die Erkenntnis, dass der Mensch allein aus Gnade von Gott gerettet wird. Der Mensch selber kann sich dieses nicht verdienen oder erarbeiten. Kein Werk, keine Handlung, nichts was der Mensch macht, hat Einfluss auf die Haltung Gottes ihm gegenüber. Nach vielen Hin und Her, ist diese Ansicht durch die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre auch von der katholischen Kirche in den meisten Teilen offiziell übernommen worden.

„Gemeinsam bekennen wir: Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns befähigt und aufruft zu guten Werken.“

Auszug: Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre

Damit wäre zumindest mal formal geklärt, dass sowohl die protestantische Konfession noch die katholische Konfession eine Notwendigkeit für gute Taten gegenüber Gott sieht.

Von Schuld und Sühne

Um zu verstehen, warum die Einstellung Gott etwas Gutes zu tun, immer noch so präsent ist, lohnt sich ein Blick auf den Begriff der Sünde und zwischenmenschlichen Verhalten. Hinter dem Drang Gott etwas Gutes zu tun, steht die Auffassung, dass man etwas wieder in Ordnung bringen muss, um Gottes Güte zu erfahren. Ich habe mich in einer Form schuldig gemacht und bitte damit um Verzeihung. Diese Verhaltensweise ist unter Menschen verbreitet und da auch durchaus sinnvoll. Wenn ich einem Anderen unrecht getan habe, dann sorge ich dafür, dass ich es wieder in Ordnung bringe.

Von Sünde spricht die katholische Kirche dann, wenn sich ein Mensch eigenständig, durch Handlungen oder Aussagen, von Gott entfernt hat. Da der Mensch tendenziell ein Wesen ist, dass nach nicht perfekt ist, kann dies immer mal wieder vorkommen. (Der Theologe/Die Theologin spricht von Konkupiszenz)

Wenn man sich von einem anderen Menschen entfernt hat, versucht man normalerweise diesem wieder durch Gesten und Handlungen davon zu überzeugen, dass man selber sich geändert hat; das man bereit ist die Distanz wieder abzubauen. Daher verwundert es nicht, dass sich analog dazu eine gewisse Tradition der Werksgerichtigkeit gegenüber Gott etabliert hat. Der Gedanke dahinter ist, dass ich Gott etwas gutes tue, damit sie sieht, dass ich meine Sünde bereut habe und die Distanz zwischen ihr und mir abbauen möchte.

Gott tickt anders

Nun ist es aber so, wie Luther argumentativ deutlich aufzeigt, dass Gott anders tickt als der Mensch. Gott ist nicht von einem Menschen abhängig und auch in ihrer Meinung nicht beeinflussbar. Die Liebe Gottes zu dem einzelnen Menschen ist unabhängig vom Verhalten der Person. Konkret: Gott liebt Dich selbst wenn Du Gott unrecht tust.

Das heißt selbstverständlich nicht, dass es Dir nichts bringt, wenn Du in Deinem Leben Rituale einführst, die Dir helfen Dich Gott Nahe zu fühlen. Auch mir helfen Rituale, dass ich mich immer wieder auf meine Haltung zu Gott schauen kann. Aber vor allem hilft mir zu wissen, dass mein Handeln keinen Einfluss auf ihre Liebe hat. Dadurch kann ich mich in jedem Moment frei und eben auch ehrlich zu Gott positionieren.

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