Sarah Lesch – Testament

Ab und an ertappe ich mich dabei, wie ich denke, ich hätte alles schon gesehen. Viel zu oft folgt mein Alltag und meine Entscheidungen, den Entscheidungen, die ich vor Jahren mal getroffen habe. In der Überheblichkeit, nicht mehr darüber nachdenken zu müssen, was ich eigentlich genau will, vergesse ich oft innen zu halten und meine eigenen Prämissen kritisch zu betrachten.

Ich empfinde das als eine positive Seite des Älterwerdens, dass ich mir nicht mehr über alle Dinge Gedanken machen muss, hin- und hergerissen bin, sondern es auch einiges gibt, zu dem ich mir eine Position gebildet habe. Andererseits bekam ich in Studententagen immer wieder zuhören, dass meine Ideen vor allem auf jugendlichen Leichtsinn basieren und wenig mit der Realität gemein haben.

Heute weiß ich, dass das Abheben und Ketten lösen, der erste Schritt zur Problemlösung ist. Menschen, die dich kleinhalten, dich festhalten und binden wollen, sind nicht an Problemlösung, sondern nur an Machterhalt interessiert.

Und daran muss ich mich immer wieder selbst erinnern, wenn ich einen anderen Weg als fremd wahrnehme. Und daran muss ich mich auch immer erinnern, wenn meine Tochter Sachen macht, die ich nicht getan hätte. Denn das wichtigste ist, dass ich ein Kind hinterlasse, das sich selbst gehört.

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