Wieso Heilige?

Die Zeit vom 31. Oktober bis zum 1. November steht ganz im Zeichen der Heiligen. Ob das irische All Hallows’ Eve, dass hierzulande mitlerweile als amerikanische Halloween gefeiert wird oder das katholische Allerheiligen. In den letzten Tagen wurden in Deutschland die Heiligen gefeiert. Grund genug mal genauer hinzuschauen: Wieso eigentlich Heilige?

Wichtig, wenn ich jetzt über den Nutzen und Sinn von Heiligen rede, ist zu erwähnen, dass am 31. Oktober zeitgleich mit dem Vorabend von Allerheiligen auch Reformationstag war. Wichtig deshalb, weil Luther und ihm folgenden Reformator*innen, die Heiligenverehrung als unbiblisch ablehnten. Für sie war die Rolle der Heiligen als Vermittler zwischen Gott und den Menschen nicht nachvollziehbar, weil Jesus Christus der einzige Mittler ist.

Was die Reformator*innen richtig erkannt haben, war die undifferenzierte Haltung gegenüber der Heiligen, die stellenweise die Anbetung Gottes zu ersetzen schienen. Statt Menschen für ihre Art und Weise zu verehren, wurden sie als Gott ähnlich angebetet.

Seit dem wird die katholische Kirche nicht müde immer wieder zu betonen, dass Heilige nicht angebetet, sondern an ihr Leben gedacht und sie selbst nur für ihre Art zu Leben verehrt werden können.

Wieso werden Heilige verehrt?

Um zu verstehen, warum Heilige verehrt werden, bedarf es noch mal einen Blick darauf, wie die Kirche denkt, dass Gott zu den Menschen spricht. Das Christentum ist eine Offenbarungsreligion. Das heißt, dass sie davon ausgeht, dass Gott sich immer wieder selbst gegenüber den Menschen offenbart, also ihre Absichten und Ziele selbst zugänglich macht. Dies geschieht in einer Art und Weise, dass der angesprochene Mensch es auch verstehen kann. Gott spricht in der Sprache der Menschen und beachtetet dabei die Grenzen des menschlichen Verstands. Gott, als etwas das über der Welt und der Zeit steht, ändert nicht seine Meinung. Manches ist nur jetzt noch nicht aus der Situation des Menschen begreifbar.

Die Kirche sammelt diese gemeinsamen Erfahrungen und systematisiert, also fasst die Themen und Aussagen Gottes zusammen, wovon sie ausgeht, dass es sich dabei um etwas handelt, was Gott den Menschen mitteilen möchte. Auch die Bibel ist, etwas grob gesprochen, eine Sammlung von Geschichten, verschiedener Menschen mit Gott.

Da Gott mit dem Ende der Bibel nicht aufgehört hat, mit Menschen in Kontakt zu treten, betrachtet die katholische Kirche neben der Bibel auch die Tradition als wichtiges Element, um mehr über Gott zu erfahren.

Heilige sind Menschen, in deren Leben sich in besonderer Weise Gott bemerkbar gemacht hat. Dabei sind die Biografien der Heilige nicht aalglatt, sondern haben auch so einiges an Brüchen und Überraschungen. Wenn die Dich interessieren, kann ich Dir das Ökumenische Heiligenlexikon empfehlen.

In der Anerkennung von immer neuen Heiligen, zeigt sich, dass Gott auch heute noch Geschichten mit den Menschen erlebt.

Die Versöhnung zum Schluss

Auch wenn es weniger bekannt ist, hat auch die protestantische Kirche einen Gedenktag der Heiligen am 1. November. Schon im Augsburger Bekenntnis, einer grundlegenden Bekenntnisschrift der lutherischen Reformation, Artikel 21 wird das Gedenken an Heilige erwähnt. Gerade bei denen könne man erkennen, wie Gottes Gnade in dieser Welt wirkt. So fern sind sich Protestanten und Katholiken im Hinblick auf die Heiligen dann doch nicht.

Ob Heilige für Dich und Deinen Glauben relevant sind, kannst Du Dir nur selbst beantworten.

Schreibe einen Kommentar