Passenger – Let Her Go

In dem Moment in dem ich losfahre, hatte ich schon keine Lust mehr. Vor mir lagen sechs Stunden Autofahrt – drei hin, drei zurück. Es war ein Montagnachmittag als ich für eine Besprechung zur Autobahnkirche Baden-Baden aufbrach. Das Treffen klang vielversprechend, das unangefangene Hörbuch machte es erträglich – doch der Regen und die gefühlt orientierungslose Fahrt durch die Pfalz, nahmen mir die letzte Freude.

Umso dankbarer war ich, als ein Schild auf die Autobahnkirche hinwies. Da bin ich! Während der Reiseplanung und Fahrt musste ich immer wieder schmunzeln. Wie verrückt es doch ist: Eine Raststätte als Zielpunkt ins Navi einzugeben: „Was machst Du heute so? – „Och, ich fahre zur ’ner Raststätte!“

Ein verrücktes Bild, aber passend zu dem, wie sich die Autobahnkirche präsentiert: Als Pyramide, Mitten in Baden-Baden, direkt an der Autobahn. Neben einer kleinen Raststätte, einem Motel und hunderten von parkenden LKWs.

Eine Pyramide auf einem Sockel.

Drin spannt sich ein Zelt auf. Drumherum nur Glasfenster. Jeder Zentimeter ist gesäumt mit Symbolen. Nichts hier sagt mir: „So muss es sein!“ Alles sagt mir: „Finde es heraus – Suche – Entdecke!“ Symbolde, die auf ein mehr verweisen – die Richtung vorgeben, nicht die Interpretation liefern.

In diesem Raum hätte ich mich verlieren können. Ging aber nicht, denn alles in diesem Raum sagte mir: „Geh wieder!“

Und das ist für mich lange Zeit schlecht auszuhalten gewesen. Ich dachte, wenn ich etwas festhalte, dann bleibt es für immer. Dann reiße ich es aus der Zeit heraus! Dann geht es nie vorbei!

Ich dachte, wenn ich erkennen kann wie Gott ist, mit all ihren Eigenschaften. Sie studiere. Dann bleibt Gott bei mir. Dann geht sie nie wieder weg.

Und in der Autobahnkirche merkte ich, dass es anderes ist: Mein Glaube gewinnt, weil ich mir mittlerweile eingestehen kann, dass ich nicht an Gott glauben muss. Gott drängt mich nicht an sie zu glauben und ich weiß, dass sie für mich da ist.

Ich muss sie nicht finden und sie lässt mich nicht verlieren.

Oder wie es in Psalm 139 heißt: „Nähme ich die Flügel des Morgenrots, ließe mich nieder am Ende des Meeres. Auch dort würde Deine Hand mich leiten!“

Ich kann es in den Momenten der Suche nach Gott spüren. Denn in diesen Momenten, bin ich am ehrlichsten zu mir. Bin ich mit ihr bei mir. Weil ich dem nachgehe, was an Sehnsucht in mir ist.

Es ist schon verrückt eine Raststätte als Reiseziel zu haben, es ist gut zu wissen, dass ich noch mal vorbeischaue und es ist beruhigend, dass dieser Ort einfach da ist. Und auf der Rückfahrt im Auto verstehe ich, was The Passenger mir sagen möchte, wenn sie aus dem Radio zu mir singen:

Du brauchst nur das Licht, wenn es dämmrig ist.
Und Du vermisst die Sonne nur, wenn es anfängt zu schneien.
Und Du weißt nur, dass Du sie liebst,
wenn Du sie los lässt.
Und Du lässt sie los.

Und auch dort würde Gottes Hand mich leiten.

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