Wieso feiern die Katholiken eine Eucharistie?

Wenn Du schon einmal am Sonntag in einer katholischen Kirche zum Gottesdienst warst, dann hast Du höchstwahrscheinlich eine Messfeier mit Eucharistie erlebt. Im Gegensatz zu den protestantischen Glaubensgeschwistern feiert die katholische Kirche jeden Sonntag Eucharistie. Eucharistie kommt aus dem griechischen und meint Danksagung. Konkret ist es in der Messe die Zeit in der Brot und Wein gesegnet und anschließend an die versammelte Gemeinde verteilt werden. Das alles geschieht in Erinnerung an das letzte Abendmahl. Doch wie kam es zu der jetzigen Form?

Jesus isst mit Anderen

Wenn Du Dir die Berichte über das Leben Jesu, wie sie im Neuen Testament aufgeschrieben sind, durchliest, wirst Du feststellen, dass Jesus sehr viel gemeinsam mit anderen am Tisch sitzt und isst. In Jesus Jüngerschaft zu sein, bedeutet ganz konkret der Mahlgemeinschaft anzugehören.

Diese Mahlgemeinschaften waren mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Erfindung von Jesus und seiner Jüngerschaft, sondern gängige Praxis im Nahen Osten. Ein Rabbiner saß zu jener Zeit mit seiner Jüngerschaft herum, aß und lehrte. Es gab eine Verbindung zwischen dem hohen Reden über die Schrift, der Einfachheit der Nahrungsaufnahme und der gemeinsamen Zeit zusammen.

Besonders wurde das gemeinsame Speisen dadurch, dass Jesus die Trennung der sozialen Schicht missachtete. Aß sonst jede soziale Schicht mit ihresgleichen, lud Jesus auch die Sünder*innen, Bettler*innen und Kranke mit an den Tisch.

Jesus verband im gemeinsamen Essen die Menschen über die sozialen Schichten hinaus miteinander. Außerhalb dieser Mahlgemeinschaft hätten diese Personen wahrscheinlich nie etwas bewusst voneinander gewusst.

Ein letztes Mahl

In der Kontinuität dieser Mahlgemeinschaften steht auch das letzte Abendmahl, dass Jesus in der Überlieferung der Evangelien des Markus, Matthäus und Lukas sowie in den Briefen des Paulus mit seinen zwölf Jüngern hielt. Eingerahmt ist das letzte Abendmahl in die Geschichte des Sterbens und Auferstehen Jesu. Es findet ursprünglich als Pessach Mahl statt.

Das Pessach-Mahl ist ein Fest des Judentums in Erinnerung an die Befreiung durch Gott und den anschließenden Auszug aus Ägypten (Exodus 12). Es ist ein zentrales Element des jüdischen Glaubens, da sich die Beziehung des jüdischen Volkes mit Gott immer wieder auf dieses Moment bezieht. Der Gott, der das jüdische Volk aus Ägypten befreit hat.

Dieses Mahl hält auch Jesus mit seinen Jüngern. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da ja alle dem jüdischen Glauben angehörten. Nichts besonders, bis Jesus Brot und Wein als sein Fleisch und Blut deutet, dass er für die Welt hingegeben hat. Diese Einsetzungsworte, werden Dir wahrscheinlich von der Eucharistiefeier am Sonntag bekannt vorkommen.

Die Gemeinschaft im Essen

Es ist nicht verwunderlich, dass die Mahlfeiern als zentrales Element des Wirken Jesu, nach seinem Sterben, Auferstehen und auffahren in den Himmel, auch in den christlichen Ur-Gemeinden übernommen worden ist. So schreibt die Apostelgeschichte (die Weiterführung des Lukasevangelium) im Kapitel 2 Vers 42, dass die Gemeinden sich an die Lehren der Aposteln (die 12 Jünger Jesu) hielten. Diese waren: die Gemeinschaft, das Brot brechen und das Gebet.

Diese Mähler wurden in Freude und Einfalt der Herzen gefeiert. Wie einfältig das Herz manchmal war, zeigt der Einwand des Apostels Paulus, der sich im Brief an die Korinther bitterlich über die gängige Mahlpraxis beschwert. Paulus berichtet davon, dass der eine schon betrunken ist, während der andere noch hungert. (1. Kor 11, 21)

Deswegen forderte Paulus die Trennung der Agapefeier, die auch die Speisung für die Bedürftigen enthielt von dem Herrenmahl in einer sakralen Feier. Das ist der Grundstein für die damals untypische und bis heute Andauernde Trennung von profaner und sakraler Mahlzeit.

War damals noch Christ-sein eine Frage der gemeinsamen Mahlzeit
wurde Christ-sein mit Paulus eine Frage des gemeinsamen Bekenntnisses.

Und so steht dann heute im Katechismus, dass durch die Eucharistie die Gemeinde Anteilnahme an der himmlischen Liturgie hat.

Bis zu diesem Punkt

Die heutige Liturgie, also die Art und Weise wie gefeiert wird, der Eucharistie hat nur noch in seinen Anklängen etwas von einem richtigen gemeinsamen Essen. Das Speisen und Trinken ist zu einem Symbol, eingebettet in einer Feier von Symbolen geworden.

Trotzdem steht die Erinnerung an das gemeinsame Essen ganz zentral im Mittelpunkt des katholischen Christentums. Die katholische Kirche ist davon überzeugt, dass durch die Wandlung des Priesters das Brot und der Wein zu Fleisch und Blut Jesu Christi werden und er in diesem Moment ganz nah ist.

Dabei hätte auch alles anders laufen können. Im Johannes Evangelium steht nicht das Abendmahl, sondern die Fußwaschung im Zentrum der Vorbereitung auf den Tod. Wie sähe die Kirche wohl dann aus?

Wenn Du Lust hast, darüber nachzudenken, kann ich Dir Sinnsucher+ZuHause „Zwischen Ostern und Pfingsten“ empfehlen, die Du kostenlos bei uns bestellen kannst.

Schreibe einen Kommentar